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The Way Forward

19.07.2017
Vorsorge der Zukunft

Rentensysteme im Vergleich: Frankreich — Savoir-vivre auch im Alter

Die Franzosen verstehen sich nicht nur hervorragend auf das „Savoir-vivre“, sie können es sich auch im fortgeschrittenen Alter noch leisten. Oder besser gesagt: Sie leisten es sich eben. Wie lange sie es noch können, wird sich zeigen. Diejenigen, die vom derzeitigen Rentensystem profitieren – und das sind viele –, setzen alles daran, ihre Pfründe zu sichern. Auch wenn sie der Jugend des Landes damit einen Bärendienst erweisen. Emmanuel Macron will sowohl das Arbeitsrecht als auch das Rentensystem reformieren. Dabei muss man ihm Glück wünschen. Vor ihm liegt ein steiniger Weg.

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In puncto Rentenhöhe weitgehend gleichauf

Wie das deutsche Rentensystem basiert auch das französische weitgehend auf einem Umlageverfahren. Das heißt, die Renten werden gemäß Generationenvertrag von den derzeitigen Arbeitnehmern finanziert. Was die Rentenhöhe angeht, sind französische und deutsche Männer mit durchschnittlich 1.600 Euro gleichauf. Damit enden die Gemeinsamkeiten aber auch schon. Denn französische Rentnerinnen sind mit durchschnittlich 811 Euro besser gestellt als deutsche mit durchschnittlich 643 Euro.

Solidarsystem und flächendeckende Betriebsrente

Frankreich setzt fürs Alter stärker auf Solidarität als auf Eigenverantwortung. Alle zahlen ein: abhängig Beschäftigte und ihre Arbeitgeber ebenso wie Selbstständige und Freiberufler. In Deutschland sind von 4,4 Millionen Selbstständigen nur 1,1 Millionen Teil der gesetzlichen Rentenversicherung. Das ist definitiv eine Baustelle.
Auch die Höhe der Altersbezüge wird anders bemessen. In Frankreich orientieren sie sich an der allgemeinen Preisentwicklung, in Deutschland an den Einkommen der Erwerbstätigen. Eine zweite wichtige Säule bilden die in allen französischen Unternehmen eingeführten betrieblichen Zusatzrenten – ein in Deutschland noch stark ausbaufähiger Zweig. Gerade mal 25 Prozent der männlichen und nur 11 Prozent der weiblichen Arbeitskräfte verfügen hierzulande über eine Betriebsrente. In Sachen steuergeförderte kapitalgedeckte Privatrente haben wiederum wir – mit 16 Millionen Riester-Verträgen – die Nase vorn. Vergleichbare Verträge gibt es in Frankreich lediglich zwei Millionen.

Hut ab vor Frankreichs Familienpolitik

Mit 2,01 Kindern pro Frau gehört Frankreich – zusammen Irland und Island – zu den geburtenstärksten Ländern in Europa. Grund dafür ist die familienfreundliche Politik des Landes. Kinderreichtum – in Deutschland gern als „asozial“ abgestempelt – wird in Frankreich nicht nur bewundert, sondern auch vom Staat belohnt. Geldleistungen wie auch Elternauszeiten sind viel stärker an die Zahl der Kinder gekoppelt. Eine vorbildliche Kita-Dichte wie auch ein Ganztagsschulsystem tragen obendrein dazu bei, dass Frauen nicht das Gefühl haben, sich zwischen Kind und Karriere entscheiden zu müssen. Weshalb auch Alleinerziehende – die hierzulande oft von Armut bedroht sind – in der Regel einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen. Da hat Deutschland definitiv Nachholbedarf. Also alles gut in Frankreich? Na ja. Der Kinderreichtum stabilisiert im Prinzip das umlagefinanzierte Rentensystem. Risiken bergen allerdings die im Vergleich zu Deutschland wesentlich höhere Jugendarbeitslosigkeit und die schlechtere Entwicklung der französischen Wirtschaft. Anreize für einen längeren Verbleib im Erwerbsleben gibt es deshalb schon seit 2003.

Privilegien über Privilegien – das Erbe des Sonnenkönigs

Eine Besonderheit des französischen Rentensystems ist die große Zahl der Einzelsysteme. Unterschieden wird zunächst zwischen Arbeitnehmern in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Sektor, zwischen Freiberuflern, Künstlern, Händlern und selbstständigen Landwirten. Darüber hinaus gibt es sogenannte Sondersysteme, die auf die einzelnen Situationen und Berufsgruppen zugeschnitten sind – sprich: sie mit Sonderrechten ausstatten. Eine Primaballerina kann bereits im Alter von 40 die Spitzenschuhe an den Nagel hängen. Ein Lokführer kann mit 50 dem Führerhaus Adieu sagen und sich aufs Altenteil zurückziehen, und der Berufssoldat legt, wenn er mag, mit 45 die Waffe nieder. Mehr als 100 Berufsgruppen – rund 500.000 Beschäftigte plus mehr als eine Million Rentner – profitieren von dem System der „régimes spéciaux“ (Spezialrenten), deren Tradition auf keinen Geringeren als König Ludwig XIV. zurückgeht. Was im 17. Jahrhundert mit einer Spezialrente für arbeitsunfähige Fischer begann, hat sich zu einem Privilegiensammelsurium ausgewachsen, das die Gewerkschaften erbittert verteidigen. Reformversuche pflegt man mit groß angelegten Protestaktionen zu torpedieren. Nur mit Mühe und Not war es Nicolas Sarkozy während seiner Amtszeit gelungen, das Renteneintrittsalter von 60 auf 62 hochzusetzen. Ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts des stetig wachsenden, zweistelligen Milliardenlochs in den französischen Rentenkassen.

Leben wie Gott in Frankreich: die Expräsidenten

Wenn es etwas gibt, das den sozialistischen Politiker und Budgetexperten René Dosière fuchst, dann die Ausgaben, die für die Expräsidenten anfallen. Atemberaubende 6,2 Millionen Euro – so ergab Dosières Recherche – lässt sich die Republik allein die drei Politruheständler Giscard d'Estaing, Chirac und Sarkozy jährlich kosten: Der 91-jährige Valéry Giscard d'Estaing führt die hoch bezahlte Riege mit atemberaubenden 2,5 Millionen Euro jährlicher Apanage an. Nicolas Sarkozy, der für 18.800 Euro Monatsmiete auf 320 Quadratmetern sein unbescheidenes Dasein fristet, verlangt dem Steuerzahler 2,2 Millionen Euro ab. Da ist Jaques Chirac mit 1,5 Millionen Euro fast schon günstig zu halten. Mit ihrem „Ehrensold“ in Höhe von 214.000 Euro pro Jahr können deutsche Staatsoberhäupter bei Weitem nicht so große Sprünge machen. Rechtsgrundlage für die üppige Ausstattung der Expräsidenten ist ein Brief, den der damalige Premier (und jetzige Präsident des französischen Verfassungsgerichts) Laurent Fabius 1985 an Giscard d'Estaing schrieb. Darin listet er akribisch auf, was seither jedem „ancient président“ zusteht: 13 persönliche Mitarbeiter – darunter ein Kabinettschef, drei Sekretärinnen, ein Archivar und zwei Leibwächter – sowie allzeit freie Fahrt „in der besten Klasse“ auf der Schiene, zu Wasser und in der Luft. Freiwillig hatte Fabius den Brief allerdings nicht herausgerückt. Dosière hatte die Veröffentlichung 2010 erstritten. Und er lässt auch jetzt noch nicht locker. Mit dem Ziel, die Versorgung der Exstaatschefs auf fünf Jahre zu begrenzen, zettelt er derzeit eine kleine französische Revolution an

Jetzt kommt Macron

Der jüngste Präsident der französischen Geschichte gilt als Hoffnungsträger. Kein Wunder – schließlich hat er große Pläne. So will er das Rentensystem vereinheitlichen und berufsständische Privilegien streichen – was die Gewerkschaften sehr wahrscheinlich auf die Barrikaden bringen wird. Des Weiteren plant er eine weitgehende Reform des Arbeitsrechts. Sie sieht unter anderem die Streichung unternehmerfeindlicher Klauseln, eine Öffnung der Arbeitslosenversicherung für Freiberufler und Selbstständige, höhere Verpflichtungen für Arbeitssuchende und eine Deckelung von Schadenersatzzahlungen im Kündigungsfall vor. Dass er mit Gegenwind rechnen muss, weiß er. Und er hat bereits Vorkehrungen getroffen. Die Abgeordneten seiner Fraktion mussten sich frühzeitig zu einem Loyalitätsschwur verpflichten. Durch die Unterzeichnung eines „Vertrags mit der Nation“ haben sie sich zu dem Reformpaket bekannt. Die Dynamik und die Bestimmtheit, mit der Macron seine Projekte vorantreibt, beeindrucken. Eine gute Portion Glück wird er dennoch brauchen.

 

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