loader

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien, um unsere Webseite zu optimieren. Durch die Nutzung der Webseiten erklären Sie sich damit einverstanden.
Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK

Login

The Way Forward

02.08.2017
Vorsorge der Zukunft

Rentensysteme im Vergleich: Griechenland

Ein Trauerspiel mit ungewissem Ausgang

Als ich mit der Recherche zum griechischen Rentensystem begonnen hatte, wurde mir sehr schnell klar, dass ich den Bogen weiter spannen musste. Deshalb betrachte ich das Thema hier vor dem Hintergrund der griechischen Staatsschuldenkrise. Wobei ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe.

Als Griechenland am 1. Januar 2001 der Eurozone beitritt, tut es dies auf Basis gefälschter Zahlen. Auch in den Folgejahren liegen die Haushaltsdefizite deutlich über der im Rahmen des Stabilitätspakts erlaubten Obergrenze von 3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Aber Griechenlands Statistisches Amt (ESYE) schummelt fleißig weiter. Das geht so bis Ende 2009. Da liegt das Haushaltsdefizit bei 12,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Standard & Poor’s stuft die Kreditwürdigkeit Griechenlands herab, was zur Folge hat, dass sich das Land an den Finanzmärkten kaum noch Geld besorgen kann. Die Krise ist da – wird aber von den Geldgebern (EU, EZB und IWF) zunächst als temporäres Problem betrachtet. Die Laufzeit der sich insgesamt auf 110 Milliarden Euro belaufenden Kredite beträgt drei Jahre, was sich als unrealistisch erweist. Zudem sind die von der griechischen Regierung eingeleiteten Reformmaßnahmen nicht ausreichend. Als 2012 das zweite Rettungspaket in Höhe von 163,6 Milliarden Euro ausgehandelt wird, sind die Gläubiger weniger gnädig. Die Auszahlung des Geldes ist an weitere Reformen und Sparmaßnahmen geknüpft. Einen Schwerpunkt bildet dabei das umlagenfinanzierte Rentensystem. Die im europäischen Vergleich als zu hoch eingestuften Renten, die bereits 2010 um 11,8 Prozent gekürzt wurden, werden nochmals um 16,8 Prozent beschnitten.

Aufruhr und politisches Chaos

In der Politik geht es derweil turbulent zu. Ende 2011 schmeißt Ministerpräsident Papandreou hin. Loukas Papademos übernimmt interimistisch. Die vorgezogene Parlamentswahl im Mai 2012 wird zum Desaster. Eine Regierung kann nicht gebildet werden. Im Juni folgen Neuwahlen. Mühsam einigt man sich auf ein Regierungsbündnis unter Antonis Samaras. 2013 schrumpft die griechische Wirtschaft das fünfte Jahr in Folge. Die Menschen im Land sind frustriert – zum einen, weil der Verzicht auf Privilegien schmerzt, zum anderen, weil sie angesichts der Kürzungen und der miserablen Wirtschaftslage schlicht verzweifelt sind. Es kommt zu gewaltsamen Ausschreitungen und gigantischen Streikwellen, die zeitweise das ganze Land lahmlegen. Während sich 2014 kurzfristig eine Besserung der Gesamtlage abzeichnet, erklärt Präsident Samaras die Ära der Rettungspakete für beendet. Parallel werden die Renten mit der üblichen Salamitaktik weiter gekappt: zunächst alle Zusatzrenten horizontal um 5,2 Prozent. Parallel senkt man die Mindestrenten für die einstigen Beschäftigten im privaten und öffentlichen Sektor. Bei 250.000 Rentnern werden die Zusatzrenten um bis zu 40 Prozent gesenkt, während die Ausschüttungen eines Aktienfonds für die Zivilbeamten um 45 Prozent gekürzt werden. Und das sind bei Weitem nicht alle Sparmaßnahmen im Rentenbereich. Dass parallel diverse Beiträge – etwa zur Gesundheitsvorsorge – wie auch die Steuern steigen, macht die Sache nicht einfacher. Weshalb die vorgezogene Parlamentswahl im Dezember 2014 wieder scheitert. Bei den Neuwahlen im Januar 2015 schlägt die Stunde des (ehemaligen) Spargegners Alexis Tsipras. Im Schulterschluss mit (Ex-)Finanzminister Yanis Varoufakis weigert sich der frisch vereidigte Ministerpräsident, weiter mit der Troika (EU-Kommission, EZB und IWF) zusammenzuarbeiten. Warum diese Trotzhaltung – speziell wenn es um die Kürzung der Renten geht?

Griechenlands Renten ersetzen das Sozialsystem

Dass das Rentensystem der Reform bedarf, steht außer Frage. Bis 2009 ist es sehr zersplittert, was es leicht macht, Privilegien und hohe Zahlungen für kleine Gruppen von Rentnern zu etablieren. Außerdem wird großzügig mit denen verfahren, die keine oder zu wenige Beiträge geleistet haben. Erschwerend kommt hinzu, dass die Griechen – auch wenn das zwischen griechischer Regierung und IWF mangels verlässlicher Daten strittig ist – zu früh in Rente gehen. Hat ein Grieche 40 Jahre eingezahlt, kann er regulär mit weniger als 60 Jahren Rente beantragen. Frauen mit Kindern dürfen nach 15 Beitragsjahren im Alter von 50 in Rente, Angehörige des Militärs angeblich immer noch mit 45 Jahren. Auch wird vermutet, dass das durchschnittliche Renteneintrittsalter seit 2012 gesunken ist. Der Grund: die Flucht in die Frührente (vor allem im öffentlichen Dienst). Das zumindest legt die Parallelität der Ereignisse nahe: Kosten für den öffentlichen Dienst gehen runter und Rentenausgaben rauf. Aber – und jetzt kommt es, das große Aber: In Griechenland gibt es keine Grundsicherung wie Hartz IV. Wer seine Arbeit verliert, ist nach einem Jahr Arbeitslosenhilfe auf sich gestellt – ein soziales Drama angesichts einer Arbeitslosenquote von knapp 22 Prozent*. Viele Haushalte leben weitgehend von den Renten der Älteren. Und die liegt im staatlichen Durchschnitt mittlerweile bei 900 Euro. Hinzu kommt, dass 45 Prozent der Rentenempfänger Zahlungen unterhalb der Armutsgrenze (665 Euro) erhalten. Vor diesem Hintergrund wird einigermaßen verständlich, wieso sich Alexis Tsipras mit Händen und Füßen gegen eine weitere Beschneidung der Renten wehrt. Allerdings sind ständige Kürzungen noch lange keine Reform. Und die großen Probleme sind damit schon gar nicht gelöst.

Weniger als zwei Berufstätige finanzieren einen Rentner

In den kommenden drei Jahren soll das dritte Hilfspaket in Höhe von 82 bis 86 Milliarden Euro ausgezahlt werden. Es ist wie die beiden zuvor an knallharte Bedingungen wie etwa die Anhebung des Renteneintrittsalters geknüpft. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber das allein reicht nicht. Zwar ist die Hälfte der knapp elf Millionen Einwohner Griechenlands im erwerbsfähigen Alter (15 bis 65). Doch nur 3,6 Millionen haben einen Job und müssen von ihren (gesunkenen) Gehältern die Altersversorgung von 2,7 Millionen Rentnern stemmen. Statistisch gesehen finanzieren also weit unter zwei Berufstätige einen Rentner! Hinzu kommt, dass sich der demografische Wandel seit der Krise beschleunigt hat. Aus der wirtschaftlichen Not heraus entscheiden sich viele junge Griechinnen und Griechen gegen Kinder, was die Geburtenrate auf 1,3 Kinder pro Frau gesenkt hat. Obendrein haben gerade junge, gut ausgebildete Griechen in den Krisenjahren das Land verlassen, um im Ausland Arbeit zu finden. Die hohe Arbeitslosigkeit wie auch die grassierende Schattenwirtschaft haben wiederum zur Folge, dass viel zu wenig Geld in die Rentenkasse fließt. Damit das System nicht kollabiert, müsste der Staat bis 2055 65 Milliarden Euro in die Rentenkasse zahlen.** Wie das gelingen soll, bleibt ein Rätsel.

Licht am Ende des Tunnels?

Am 24. Juli 2017, also zu Beginn der letzten Woche, ist Griechenland mit Fünf-Jahres-Staatsanleihen im Volumen von drei Milliarden Euro an den Kapitalmarkt zurückgekehrt. Erfolgreich. Von den Investoren wurden sie mit mehr als 6,5 Milliarden Euro nachgefragt. Standard & Poor’s wiederum hat bereits angekündigt, die Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes von „stabil“ auf „positiv“ anzuheben. Auch die Arbeitslosenquote, die 2013 bei 27,8 Prozent lag, sinkt allmählich. Das sind wichtige Signale – auch im Hinblick darauf, dass Griechenland sich ab August 2018 wieder allein finanzieren muss. Doch wenn das Land wirklich gesunden will, müssen Löhne und auch Renten wieder steigen. Nur wenn die Griechen investieren und konsumieren, kann die Wirtschaft in Schwung kommen. Im jetzigen Sparkorsett wird das kaum möglich sein. IWF-Chefin Christine Lagarde weiß das sehr genau und plädiert schon länger für einen Schuldenerlass. Doch Wolfgang Schäuble hält dagegen. Die Vorstellung, den deutschen Steuerzahlern erklären zu müssen, dass die von ihnen finanzierten Milliarden futsch sind, behagt ihm nicht. Und tatsächlich hat er Lagarde einen Zeitaufschub abgetrotzt, um die „Annahmen des IWF zu akzeptieren“. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass er das nach der Bundestagswahl tun wird.

 

* Stand: 2017
** Studie der griechischen Einheitlichen Renten- und Krankenkasse (EFKA) 2016

 

Das könnte Sie auch interessieren

Seite

Fit für den Brexit!
Schottisches Gericht gibt grünes Licht für unser Vorhaben

Das schottische Gericht hat unseren Antrag genehmigt. Wir beginnen jetzt damit, unsere Versicherungsnehmer zur geplanten Übertragung zu informieren. Die wichtigsten Dokumente, sämtliche Informationsmaterialien sowie Antworten auf relevante Fragen finden Sie auf dieser speziell für Sie aufbereiteten Website.

Video

Alles, um Vertriebspartner und Kunden Planungssicherheit zu geben

Wie bereitet man sich auf den Brexit vor und wie sehen die konkreten Pläne von Standard Life aus? Was können Altersvorsorge-Sparer angesichts der Turbulenzen an den Aktienmärkten tun? Ist ein Ende der Regulatorik in Sicht oder kommt der Provisionsdeckel doch noch? Im Interview mit Finanzjournalist Andreas Franik steht Christian Nuschele, Head of Sales & Marketing bei Standard Life, zu den genannten Themen Rede und Antwort.

Seite

Vorbereitung für jedes Brexit-Szenario läuft

Lesen Sie den Brief der Geschäftsführung und unser Infoblatt zum Thema.

My Standard Life

Ihr Login zu mehr Komfort

My Standard Life ist Ihr persönlicher Kundenbereich. Hier finden Sie aktuelle Informationen zu Ihren Verträgen.

Passwort vergessen?

Berater­finder

Berater suchen

Finanzberatung geht mit einer hohen Ver­antwort­ung einher. Deshalb sind wir bei der Auswahl unserer Vertriebspartner sehr kri­tisch. Es handelt sich bei ihnen ausschließlich um Finanz­berater, die an keinen Versicherer gebunden sind.

Schnellzugriffe für My Standard Life