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The Way Forward

25.07.2017
Vorsorge der Zukunft

Die Lotterie der Geburt: Reich geboren - Glück gehabt!

Es macht nicht gerade Mut, was die Ökonomen von Standard Life Investments rund um Jeremy Lawson in ihrer Studie „The lottery of birth“ an Erkenntnissen gewonnen haben. Aber es erklärt vieles – allem voran den Erfolg des sich weltweit ausbreitenden Populismus.

Im Zentrum der von Standard Life Investments initiierten Studie steht die Frage: Wie stark wirkt sich der sozioökonomische Status der Eltern auf das Einkommen der Kinder aus? Grundsätzlich lässt sich in allen Ländern, für die Daten vorliegen, ein klarer Zusammenhang zwischen beiden Faktoren erkennen. Allerdings variieren die Abhängigkeitsgrade von Land zu Land. Mit über 40 Prozent sind sie in Großbritannien, Italien, den USA und Frankreich besonders hoch. Sprich: Hier gilt am häufigsten: Arm bleibt arm und reich bleibt reich. Länder, die eine derart geringe Einkommensmobilität aufweisen, zeichnen sich in der Regel durch ein höheres Maß an Ungleichheit aus. Das macht es für die Benachteiligten doppelt hart, da die Schere zwischen reich und arm in vielen Volkswirtschaften immer weiter aufgeht. Die Folge: Der Mangel an Chancengleichheit dämpft die Motivation und Produktivität der Betroffenen. Es muss folglich allen Ländern daran gelegen sein, die soziale Mobilität zu steigern. Wie das gelingen kann, muss jeder Staat für sich entscheiden. Ein Patentrezept gibt es nicht.

USA: Der Tellerwäscher-Traum ist ausgeträumt

Von der Idee, dass jeder den Aufstieg schaffen kann, müssen sich breite Schichten in den Vereinigten Staaten verabschieden. Schon drei Jahrzehnte lang begnügen sich durchschnittliche US-Arbeiter nun schon mit niedrigen Reallohnsteigerungen. Das haben Ökonomen und Soziologen zum Anlass genommen, die Entwicklungen der Einkommensverteilung und ihre Konsequenzen für die Wirtschaft, das persönliche Wohlbefinden und das allgemeine Funktionieren der Gesellschaft unter die Lupe zu nehmen. Während ihrer Forschungszusammenarbeit im sogenannten Equality of Opportunity Project (EOP) stellten sie zwar fest, dass der Anteil der Kinder, die sich von der untersten auf die höchste Einkommensebene „hocharbeiten“, weitgehend stabil ist. Allerdings liegt er mit 10 Prozent deutlich unter dem anderer entwickelter Volkswirtschaften. Da die Ungleichheit der Einkommen in den USA zudem gewachsen ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, in eine arme Familie hineingeboren zu werden.

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Und noch ein weiterer Trend weckt Besorgnis: Während 80 Prozent der in den 1950er Jahren geborenen Kinder mehr verdienen als ihre Eltern, gelingt dies den Kindern der 1980er Jahre nur noch zur Hälfte. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Niedergang der klassischen Industrie, von dem insbesondere Menschen aus dem Mittleren Westen betroffen sind. In Staaten wie Michigan, Ohio und Pennsylvania konnte die Saat von Trumps Wahlkampfversprechen leicht aufgehen. Weitere Ursachen der sinkenden sozialen Mobilität sind die Verlangsamung des durchschnittlichen jährlichen Wirtschaftswachstums und die zunehmende Einkommensungleichheit. Eine Erhöhung der Mobilität, so die Erkenntnis der EOP-Autoren, ist nur mit gezielten politischen Maßnahmen zur besseren Einkommensverteilung möglich.

Großbritannien: der lange Weg zur größten Meritokratie

Auch in Großbritannien ist es um die soziale Mobilität schlecht bestellt. Im Jahr 2011 sagte der „Zar der sozialen Mobilität“ Alan Milburn: „Traurig – wir leben noch immer in einem Land, wo jeder, der arm geboren wird, auch arm bleibt.“ In kaum einem Land hat der sozioökonomische Hintergrund einen derart großen Einfluss auf die Leistung eines Schülers. So geht aus dem sozialen Mobilitätsindex der Regierung zum Beispiel hervor, dass die Bildungserfolge und die Beschäftigungsperspektiven für benachteiligte Jugendliche in London und den umliegenden Regionen besser sind. Gleichzeitig warnt der Bericht, dass die soziale Mobilität in den Regionen an den Küsten und den Industriestädten einzufrieren droht. Die Probleme im Zusammenhang mit sozialer Mobilität in Großbritannien sind also nicht gerade klein. Dass Bildung ein Schlüssel für eine Veränderung in positiver Richtung sein kann, hat die Politik erkannt. Nicht von ungefähr widmet ein Manifest der konservativen Partei unter Theresa May ein ganzes Kapitel dem Wunsch, das Land in die „weltweit größte Meritokratie“ zu verwandeln. Die Ausbildung und Rekrutierung hoch qualifizierter Lehrkräfte kann den Lernerfolg insbesondere von benachteiligten Schülern befördern. Darin ist man sich einig. Welche Schulform dafür die beste ist, konnte bislang nicht übereinstimmend geklärt werden.

Europa: dem Flüchtlingsstrom mit Bildung begegnen

Wie bereits konstatiert, ist der Grad sozialer Mobilität in den westlichen Industrieländern sehr unterschiedlich. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass populistische Bewegungen und Parteien, die vorgeben, im Namen der sozial Abgehängten zu sprechen, in Europa allgemein im Aufschwung sind. Zum einen existiert eine große Zahl enttäuschter, entfremdeter Jungwähler, die der vermeintlichen „Stimme des Volkes“ folgt. Zum anderen gibt es da viele Wähler aus der Mittelschicht, die nach Jahrzehnten der Einkommensungleichheit und der Angst vor dem sozialen Abrutschen verbittert sind.

In einem Forschungsbericht aus dem Jahr 2010 bescheinigt die OECD den Volkswirtschaften Dänemarks, Österreichs, Norwegens und Finnlands eine relativ hohe soziale Mobilität. Anders verhält es sich mit Frankreich, Spanien und Italien. Hier hat die wirtschaftliche Lage der Eltern eine starke Auswirkung auf die Einkommen der Kinder. Einmal mehr zeigt sich hier, dass schon die Herkunft aus einem bestimmten Viertel oder einer bestimmten Gegend und der ökonomische Hintergrund wichtige Leistungstreiber für die Schüler während ihrer Schullaufbahn sind. Bildung ist also in ganz Europa eine entscheidende Stellschraube – auch im Hinblick auf die Flüchtlingszuwanderung und den damit verbundenen Zustrom von Kindern. Je früher Bildung greift, desto besser für alle. Denn ab der Sekundärstufe variieren die Schulsysteme in Europas Mitgliedsländern stark.

Jenseits innenpolitischer Lösungen kann auch der EU-Binnenmarkt sozialer Mobilität den Weg ebnen. Grundsätzlich haben Arbeitnehmer aus der EU die Freiheit, in anderen Mitgliedsstaaten vielversprechende Karrieren zu machen. In der Praxis ist die Arbeitsmobilität in Europa allerdings enttäuschend niedrig. Daher ist die EU-Politik derzeit bestrebt, durch eine verbesserte Vergleichbarkeit und Anerkennung von Qualifikationen sowie den Abbau von Bürokratie einige praktische Hemmnisse zu beseitigen.

China: Vom Lehrer zum reichsten Mann des Landes

In puncto Einkommensungleichheit wird innerhalb der großen Volkswirtschaften China nur von Brasilien übertroffen. Aber es gibt ein Phänomen, das dieses Problem vorerst abfedert: Die Einkommensmobilität – die wirtschaftliche Lage eines Haushalts zu verschiedenen Zeitpunkten – ist positiv. Das verdankt China seinem schnellen, breit verteilten Wachstum seit der Zeit der Reformen und der Öffnungsperiode ab dem Jahr 1978.

Selbst Bilderbuchkarrieren wie die von Jack Ma und Zhou Qunfei waren im Reich der Mitte möglich. Englischlehrer Ma bewarb sich erst bei 30 potenziellen Arbeitgebern und wurde von allen abgelehnt, bevor er Alibaba gründete. Zhou Qunfei, CEO und Gründerin von Lens Technology, hatte einst die Schule abgebrochen und zog als Wanderarbeiterin durchs Land. Heute sind Ma und Qunfei die reichsten Menschen Chinas. Doch seit den 2000er Jahren sinkt die relative soziale Mobilität drastisch, sprich: Auch wenn Kinder als Erwachsene wahrscheinlich mehr verdienen als ihre Eltern, wird es immer weniger wahrscheinlich, dass sie aus ihrer sozialen Klasse ausbrechen. In Zeiten grundlegender Reformen und wirtschaftlicher Veränderung konnten Menschen wie Zhou Qunfei durch Engagement und Risikobereitschaft zu Reichtum gelangen. Doch wenn erst einmal alle Generationen übergreifend Bildung genossen haben werden und die Beschäftigungslage sich weiter verbessert haben wird, wird dies die Möglichkeiten für den Einzelnen, sehr schnell sozial aufzusteigen, eher einschränken. Hinzu kommt, dass die Kommunistische Partei ihren Einfluss auf die Wirtschaft weiter verstärkt. Parteimitglieder und ihre Kinder genießen nicht nur soziale Privilegien, sie werden auch bei der Vergabe von Arbeits- und Ausbildungsplätzen an Universitäten bevorzugt. Dieser Trend kann sich – neben der hohen Ungleichheit und der nachlassenden sozialen Mobilität – möglicherweise in der Zukunft auch gegen die politischen Entscheidungsträger wenden.

Die Erkenntnisse zu „Lotterie der Geburt“ fand übrigens das Nachrichtenmagazin Stern so spannend, dass es sie in einem Artikel verarbeitet hat.

 

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